Die Nacht am Eisernen Anton

Die Nacht am Eisernen Anton

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Mein erster Tag mit der Karawane begann am Ende eines sehr heißen Tages direkt mit einigen Karawanensongs zur Gitarre, vorgetragen auf der Bühne des Sommercamps von der Karawane. Danach konnte ich dann auch begrüßt werden und erfahren, daß die Karawane auf dem Nachmittagscouncil beschlossen hatte noch am Abend aufzubrechen.

Der Abend war jung, der Abschied von so vielen Menschen schwer und so dauerte es bis zum Beginn der Dämmerung bis wir am Einstieg zum Pfad am Bach einen Kreis bilden konnten um dann im Wald zu verschwinden.

Bachaufwärts zum Kamm des Teutoburger Waldes und dann immer nach Westen, auf der Suche nach einer Wiese für die Nacht.

Wir zogen an Wiesen mit Kühen oder neben Autobahnen vorbei, aber was lauschiges war nicht dabei. Doch ausgeruht von einigen Tagen Camp ging es flott voran und so kam der Eiserne Anton in Reichweite, zwar erst im letzten Büchsenlicht, doch so ist es auf einer Karawane.

Am Fuße des Turms stand der obligatorische Picknicktisch mit Bänken, weit und breit kein Mensch mehr und so konnten wir es uns gemütlich machen und ein Abendbrot im Sternenlicht bei flackerndem Kerzenschein genießen. Weil es grad so bequem war, fand auch das abendliche Council nicht im Kreis sondern am Tisch statt: immer schön flexibel sein.

Zur Nacht kletterten dann einige sammt Isomatte und Schlafsack auf den Turm um sich direkt auf den Eisenplanken den Kammwind um den Schlafsack blasen zu lassen. Der Rest fand einen hübschen Baum oder ein passendes Gebüsch.

Zum Frühstück gab es keinen Kaffee. Die Hoffnung nach dem Morgencouncil und eine Viertelstunde den Kamm runter im Ausflugslokal einen zu ergattern trog: Geschlossen bis 13 Uhr, nur ein Wasserhahn für die fast leeren Flaschen ließ sich öffnen.

Durch die Nachtwanderung mit elegisch viel Zeit ausgestattet, suchten und fanden wir mit Erinnerung und Instinkt einen alten Steinbruch, einen sehr alten Steinbruch: mit Bäumen und mit moosbewachsenen Steinen, wie geschaffen für eine kleine Reise ins Innere.

In einer festgelegten Zeit schuf jeder für sich ein kleines Kunstwerk aus dem was um uns war. Diese wurden dann einzeln zunächst von allen im Hinblick auf den Künstler interpretiert, der zum Schluß ebenfalls Stellung nehmen oder eine kleine Diskussion anstoßen durfte. Eine Übung die fast wie von selbst mehr oder weniger weit ins Innere dessen führt der es zulassen mag.

Der Weg, zurück aus dem eigenen Selbst und der verzauberten Welt des Steinbruchs, hinaus aus dem Wald, durch sonnendurchglühten Steine der Stadt brachte uns dann direkt an den Rand der Erschöpfung.

Endlich Kaffee und dazu viel Zucker in Form von Eis, Kuchen und gezuckerten Limonaden, danach glücklicherweise gleich wieder in den schattigen Wald nur gut 2 km hügelan bis zum letzten Rastplatz vor dem Ziel. Ein paar Baumstämme am Waldrand ideal um noch ein letztes Mal in gerade dieser Gruppe zusammenzusein und ein kleines Council zu halten um ein paar Altlasten aus dem Sommercamp zu bearbeiten.

Die letzten Meter zum Lamberg überraschten die Landesunkundigen dann ob ihrer Kürze. Willommensschild am Tor, Speis&Trank und zahlreiche Menschen, die sich anläßlich der Ankunft der Karawane versammelt hatten.

Von Carl


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