Von Hof Grafel nach Ottersberg

Von Hof Grafel nach Ottersberg

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Erstmal groß anfangen haben wir uns gedacht und für den ersten Tag gleich 26 Kilometer eingeplant. Los ging es aber erst mal mit einem gemeinsamen Frühstück bei schönstem Sonnenschein.

Um 11 war offizieller Karawanenstart mit insgesamt 19 Menschen. Auch die Presse hat über dieses große Ereignis berichtet und sogar Pferd und Wagen waren mit von der Partie. Mirjam mit Kaltblüter Felix ist für 6 Wochen unterwegs um die Arbeit mit Pferden in der Landwirtschaft vorzustellen und zum Karawanenstart auf Hof Grafel. Obwohl sie und Felix eigentlich in eine andere Richtung weiter reisen, begleiten beide die Karawane noch einige Kilometer. Als die Kutsche umdreht, schließen sich ihr viele „Kurzzeitreisende“ der Karawane an, um nach Hof Grafel zurück zu kehren. Zu acht geht es weiter.

Mit viel Spaß und tollen Gesprächen geht es also Richtung Ottersberg. Die Sonne scheint und wir wandern durch wunderschöne Wiesen und Felder und vorbei an vielen vielen (wusste gar nicht dass es das so verbreitet gibt) versteckten Wochenendgrundstücken in diversen Kiefernwäldern. Als wir endlich die Wümme überqueren, lädt der Ort zu einer längst fälligen, da sehr späten Mittagspause ein. Füße können gebadet werden aber ganz zu baden traut sich noch keiner.

Nicht lange nach der Mittagspause verlassen uns auch Myriam und Petra, um zum nächsten Bahnhof zu laufen. Zu sechst kommen wir also an einem Landgasthof an und überlegen, wo es weiter gehen könnte, als…. Moment, Landgasthof? Ob es hier wohl Eis gibt? Einen großen Schirm, unter den wir alle samt Gepäck passen gibt es schon mal. Und Eis auch. Nur bei der Frage nach veganem Eis, da wird dann doch irritiert geguckt.

Der Himmel wird zunehmend dunkler und Stefans Wetter App verrät uns, dass ein ordentliches Gewitter direkt auf uns zu zieht. Die nächsten zwei Stunden werden wir uns also (unter diesem Schirm sitzend) mit der Frage beschäftigen, ob wir weiter gehen oder den Regen abwarten. Stefan hält uns zuverlässig über den Aufenthaltsort des Gewitters auf dem Laufenden, was die Entscheidungsfindung sehr erl……… na, zumindest interessante Diskussionen hervorruft.

Als die Zeit dann so verstreicht ohne dass der Regen merklich nachlässt, fällt plötzlich das Wort Pommes. Waaaaaaaas, Pommes auf der wilden Karawane? Geht das? Es geht. Und zwar in drei facher Ausführung. Und das Beste ist: mit Mc Donald Ketchup. So schnell verrät man also seine großen Ziele. Trotz vieler tiefschürfender Gespräche über den Sinn, können wir jedoch nicht herausfinden, warum so ein Lokal wohl diesen Ketchup verwendet.

Der Tag neigt sich deutlich dem Ende und wir sitzen immer noch unter dem Schirm. Da vier von uns am Abend nach Hause fahren, sind sie nicht besonders wettertauglich ausgerüstet. Da der Regen nicht nachlassen will, die Zeit aber weder stoppt noch der Weg kürzer wird, muss es irgendwie weiter gehen. Als wir im Gasthaus nach Müllsäcken als Regenbekleidung fragen, bekommen wir tatsächlich vier Regenschirme geschenkt. Diese stehen wohl schon seit mehreren Regenschirmleben vergessen im Regenschirmständer und warten nur darauf, endlich wieder etwas zu erleben. Derart ausgestattet kann es endlich weiter gehen.

Bei interessanten Lichtverhältnissen wird ein Naturschutzgebiet mit wunderschönen Dünen durchquert und wir begegnen mindestens 20 Rehen. Oder ist es Dammwild? Und woran kann man sie noch mal unterscheiden? Also, aus der Ferne?

Als es noch einmal heftig gewittert bauen wir mit unseren Schirmen eine Höhle und fühlen uns an die Schildformationen der Römer in Asterix und Obelix erinnert. Aber wir bleiben trotz Sturzregen trocken. Kurz nach einem überwältigenden Sonnenuntergang (so kann sogar eine Autobahnbrücke romantisch werden) erreichen wir um 22.10 den Ottersberger Bahnhof.

Von den 19 Menschen die am Morgen losgewandert sind, kommen Klaus und ich erschöpft und mit leicht schmerzenden Beinen (beim Treppensteigen am Bahnhof merkt man dass dann doch) um 22:30 Uhr in der Bahnhofs WG an. Trotz der späten Stunde werden wir von Tobi herzlich empfangen, bekommen ein eigenes Zimmer mit für uns hergerichteten Betten und freuen uns beide über die Möglichkeit zu duschen. In der oberen WG sind sogar noch einige Menschen wach und wir sprechen bei Bier, uminösen Teesorten und Salat über den Gang der Welt, die wilde Karawane und über das Sommerfest der Bahnhofs WG, was am Samstag stattfinden soll.

Von Sophie


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